HENRY JEANNOIRE - GEDICHT: DER UNTERGANG
Die Evolution ist zweifelsohne die treibende Kraft in der Entwicklung der Arten, wie wir sie heute kennen. Aber auch sehr gut an ihre Umwelt angepasste Individuen starben in der Vergangenheit immer wieder aus.
EVOLUTION
Der Sport des Menschen Körper stählt,
Gesichtsausdrücke, meist gequält,
wenn er kurz vorm Ziele steht
und eigentlich schon nichts mehr geht.
Er kämpft gegen die Evolution,
Fettreserven, wer will das schon.
So hart wird der Winter nicht,
wer braucht schon so viel Gewicht ?
Strahlend glatt soll’s Antlitz sein,
vom Scheitel bis zum Wadenbein.
Die Stirn wird dann noch lahm gespritzt,
man sieht gut aus und wirkt gewitzt.
Die Nasen werden immer schmaler,
nicht, wie beim Neanderthaler,
der in der Eiszeit Mammuts killte
und damit seinen Ranzen füllte.
Trotzdem wurde er gechasst,
denn er war nicht angepasst.
Die Evolution ist gnadenlos,
hob sapiens sapiens aus dem Schoß.
Die Natur ist wunderbar,
sie scheint richtig und ganz klar.
Nie hat sie sich je geirrt,
nur einmal war sie verwirrt.
Als sie einen Menschen machte,
der manchmal weinte und auch lachte.
Der alles lernte furchtbar schnell,
er wurde zum Erfolgsmodell.
Er glaubt, er ist sehr viel gescheiter,
will immer schneller, höher, weiter,
als es die Natur erlaubt.
Wer hat ihm den Verstand geraubt ?
Die Erde bleibt, mit etwas Glück,
auch länger noch in einem Stück.
Sie kann auch noch sehr lange leben,
sie muß nur den Mensch’ aufgeben!
HENRY JEANNOIRE - GEDICHT: EVOLUTION