HENRY JEANNOIRE - EROTISCHE GESCHICHTEN UND EIN WENIG MEHR...
Lassen sich wirklich Rückschlüsse ziehen vom Sternzeichen eines Menschen auf seinen Charakter?
Die witzige Kurzgeschichte:
„Jungfrau - Aszendent Arschloch “
HENRY JEANNOIRE - DIE WITZIGE KURZGESCHICHTE
Dein Nachbar dachte, du würdest etwas unter deinem Wagen suchen, nur weil du bis zum Schulterblatt unter ihm verschwunden warst. Er hat natürlich nicht geschnallt, daß du gerade das hintere Drittel des Felgenbettes deiner Aluräder polierst. Wie sollte er auch, denn die unergründlichen Tiefen dieses Rades überstiegen bei weitem sein Vorstellungsvermögen vom Ausmaß einer Autofelge.
Würde er soweit unter seinen Opel greifen, müßte er aufpassen, daß ihm auf der anderen Seite niemand auf die Flossen tritt. Seine Möhre ist nunmal nur wenig breiter als ein Einkaufswagen von Aldi. Seine Räder haben die Dimension einer Schallplatte und ein Satz Reifen kostet ihn etwa soviel wie dich eine Fußmatte für deinen Beifahrer. Arme Sau.
Aber abgehakt – das war heute morgen. Mittlerweile hast du dein Baby frisch gemacht und es ist so clean, daß es jede OP-Schwester als keimfrei einstufen würde.
Du hast das Schiffschaukelbremseroutfit, welches du gelegentlich zur Reinigung deines Sportwagens anzulegen pflegst, gegen deinen feinsten Zwirn getauscht und verharrst andächtig hinter dem Lenkrad deines schwarzen Prachtstücks. Nicht das geringste Staubkorn ist irgendwo auf dem schwarzen Lederinterieur ausfindig zu machen und es kommt beim Blick durch die Fenster oder in den Rückspiegel nicht der kleinste Verdacht von Putzstreifen auf.
Alles paßt sensationell zu deinem neuen schwarzen Outfit. Überhaupt ist einfach alles schwarz, außer deinen Fingernägeln, denn du achtest sehr auf dein Äußeres und würdest dich nie mit Dreckpfoten hinters Steuer klemmen.
Auch deinen absolut angesagten Dreitagebart und deine neue Frisur findest du endgeil und rückt dich deiner Meinung nach ein Stück weiter in die Nähe von Brad Pitt. Du bist zwar schon 41, siehst aber aus wie 34, und seitdem du deine kurzgeschnittenen Haare nach vorne kämmst und dir Gel reinschmierst, hättest du gute Chancen, als Frontman einer Senioren- Boygroup Karriere zu machen.
Kurzum, es ist alles perfekt. Ein Zustand, mit dem du als Jungfrau gut leben kannst. Das Wetter ist genial und dein schwarzer Hengst wartet darauf, daß du ihm die Sporen gibst.
Du hast dich immer schon gefragt, mit welchem Fortbewegungsmittel du unterwegs gewesen wärst, wenn du vor hundert oder gar vor tausend Jahren schon einmal gelebt hättest. Im wilden Westen hättest du garantiert den schnellsten Rappen weit und breit geritten und so schnell geschossen, wie du beim Sex mit einer dicktittigen blonden Schönheit ejakulierst. OK, vielleicht hinkt der Vergleich ein wenig. In der Römerzeit hätten sich die Mädels der oberen Zehntausend garantiert massenweise vor dein Vierergespann geworfen, nur damit du sie überhaupt beachtest.
Aber das kannst du heute natürlich auch ganz leicht haben. Du brauchst nur ins benachbarte Elsaß zu fahren. Wenn sich eine gutaussehende junge Straßburgerin von einem Auto anfahren läßt, dann vorzugsweise von einem Sportwagen einer landläufig bekannten deutschen Edelschmiede.
Du wirst nie im Leben eine Anzeige kassieren. Im Gegenteil. Du hättest vermutlich viel Spaß während der Rekonvaleszenz deines Opfers und könntest Sie nach zügiger Genesung ohne jüdische Hast mit dem Innenleben deines Gefährts vertraut machen. Französinnen sind ja sowas von wissbegierig.
Es fällt dir wirklich leicht, dich an die Vorzüge deines Fortbewegungsmittels zu gewöhnen. Ganz davon abgesehen, daß es sich natürlich recht flott über Autobahnen und Landstraßen bewegen läßt. Ein nicht zu unterschätzender Spaßfaktor.
Trotz allem gibt es Leute, die dem nichts abgewinnen können. Für die muß ein Auto praktisch sein, viel Ladekapazität haben und wenig Sprit brauchen. Billig im Unterhalt sein und immer laufen, auch wenn man mal ein Jahr lang vergessen hat, das Öl nachzuschauen. Kann ja mal vorkommen.
Allein um den Ölstand bei deinem Gefährt zu prüfen, ist ein gewöhnlicher Hauptschulabschluß eher hinderlich als hilfreich. Du solltest dich rechtzeitig von deinem Werkstattmeister in das Ritual der Ölkontrolle einweisen lassen, ansonsten du eine zentimeterdicke Abhandlung über diese Angelegenheit lesen mußt, bevor du den ersten Tropfen Öl vergießen kannst.
Mit der gleichen Menge Diesel, die du bei einer Inspektion an Öl brauchst, fährt dein Nachbar mit seiner Frau und drei Kindern nach Rimini und zurück ohne aufzutanken.
Diese Tatsache hat selbst dich, als anerkannten Vertreter der Vollgaszunft, kurz aufblicken lassen, als dein Auge auf diesem Posten deiner ersten Inspektionsrechnung ruhte. Wirklich erstaunlich. Wer hätte gedacht, daß sich unter deinem rechten vorderen Kotflügel ein Öltank befindet, welchen man von seinem Fassungsvermögen her eher in Kellern von Einfamilienhäusern vermutet.
Welcher Autobesitzer kann schon von sich behaupten, daß er, mit dem Ölmeßstab in der Hand, fast zwei Metern hinter seinem Wagen steht, der Stab aber immer noch nicht vollständig den Motor verlassen hat? Geradezu unglaublich.
Hast du den Meßstab schlußendlich ganz herausgezogen, befindest du dich wahrscheinlich schon auf dem Nachbargrundstück und erschreckst dessen Kinder, weil du aussiehst wie D’Artagnon, der seinen Degen in Lenor gespült hat.
Es ist nicht ganz einfach, niemanden mit diesem Ding zu verletzten und verlangt geradezu artistisches Können, um es dorthin zu bewegen, wo es hergekommen ist.
Nachdem nun die schreienden Kinder den neben dir parkenden Nachbarn alarmiert haben, kann der es sich nicht verkneifen dich, wenn auch höflich, zu bitten, doch nun bald den Motor abzustellen, wegen der Luft und dem Lärm usw.
Da er ja nun Rapsöl tankt, anstatt es an den Salat zu kippen, mußt du davon ausgehen, daß er nicht mit den technischen Besonderheiten deines Boliden vertraut ist.
Also erklärst du Ihm das mit der Betriebstemperatur des Motors beim Ölnachfüllen usw. und
hoffst, daß er dies mit seinem schmalen Hirn auf die ein oder andere Weise nachvollziehen kann.
An dieser Stelle fällt dir auf, wie schmal alles an diesem Menschen und um ihn herum ist. Er fährt ein schmales Auto mit schmalen Reifen, hat ein schmales Hirn und aufgrund seines schmalen Einfamilienhauses hat er vermutlich einen noch schmaleren Geldbeutel. Nicht auszudenken, wenn du dich in diesem bodenlosen Mittelmaß bewegen müsstest. Regelmäßige Sitzungen bei einem Therapeuten wären dir sicher.
Aber davon bist du ja Gott sei Dank weit entfernt, und ein Blick auf deinen Drehzahlmesser und deinen Tacho sagen dir, du hast es richtig gemacht. Du hast nicht geheiratet, du hast keine schreienden und nervenden Bälger in die Welt gesetzt und, was das wichtigste ist : Du mußtest dich nicht scheiden lassen.
Alle deine Kumpels von früher sind mittlerweile geschieden. Auf dem Tacho ihres Kleinwagens ist bei 160 Schluß. Nicht wie bei dir bei 300. Nein. Viele , die dich früher belächelt haben, weil du immer noch unaufhörlich Teenies gevögelt hast, während Sie schon längst auf Familie machten, geben jetzt zu, daß sie deinen Lebensstil eigentlich schon immer bewundert haben. Nun sind sie alt und grau oder kahlköpfig vor Ärger und könnten sich eigentlich direkt in die Gruft legen. Sie haben reichlich Scheiße gebaut und sehen überhaupt hoffnungslos scheiße aus. Nichts ist übrig geblieben von dem, was sie dir jahrelang vorexerziert haben.
Dir ist das alles erspart geblieben. Schon in jungen Jahren ist dir schnell klar geworden, daß ein längerfristiges Zusammenleben von Mann und Frau zwangsläufig in einer Katastrophe enden muß.
Deine Kumpels aus deinem Sportverein, die meist wesentlich älter waren als du, mit denen du schon als 14 Jähriger bis morgens um vier gezockt hast, haben dich ungefiltert erfahren lassen, was es bedeutet, verheiratet zu sein. Mit welchen Repressalien deiner Alten du die Woche über rechnen mußt, nur, weil du an deinem einzigen freien Abend total besoffen um fünf Uhr früh nach Hause gekommen bist.
Nicht auszudenken was passiert, wenn sie rauskriegt, daß du auch noch die Kleine hinterm Tresen gevögelt hast. Da hört der Spaß aber auf. ( Spätestens jetzt ist der Moment gekommen, wo sie den Betonmischer anwirft und deinen englischen Klassiker vollaufen läßt. Nun hast du ein echtes Problem.)
Wenn der Bogen überspannt ist, und das ist er in den Augen einer Ehefrau meist schon, wenn dein Pfeil höchstens einen Meter fünfzig weit fliegen würde, verlieren besagte Gattinen schnell die Übersicht und vor allem die Verhältnismäßigkeit der Mittel, mit denen sie deinem Vertrauensbruch begegnen. Um ganz sicher zu gehen, daß die tiefe, schmerzende Wunde, welche du ihnen zugefügt hast, nicht auch noch anfängt zu eitern, beginnen sie zunächst einmal mit der Höchststrafe. Der Anblick, wenn du mit den Tränen kämpfst, beim Begutachten deines nun etwa drei Tonnen schweren, liebevoll restaurierten Oldtimers, lindert ihren Schmerz bis zu einem gewissen Grad.
Sie haben bei Ihren Attacken den entscheidenden Vorteil, daß sie dich über Jahre hinweg studiert haben. Sie kennen alle deine Vorlieben und Macken und nutzen schamlos deine angeborene Neigung zum Materialismus aus, indem sie in erster Linie deine Schätze plündern.
Sie haben einige Abhandlungen über dein Sternzeichen gelesen und wissen somit, daß sie dir keinen seelischen Schmerz zufügen können, da du in diesen Dingen ziemlich rustikal programmiert bist. Also werden Sie versuchen, dich deines Hab und Gutes zu berauben, was ihnen in den meisten Fällen auch gelingt, vorausgesetzt du bist nicht, wie in unserem Fall, im Sternzeichen der Jungfrau geboren.
Denn Jungfrauen vergessen nichts. Du hast aus den miesen Eheerlebnissen deiner Sportsfreunde früh deine Schlüsse gezogen und hast erkannt, daß man Frauen zwar ungehemmt vögeln, aber niemals heiraten sollte.
Dazu sind Mann und Frau einfach zu verschieden strukturiert. Dein analytisches Denken beindruckt sie in keinster Weise. Im Gegenteil. Bei dem Wort Analyse denkt sie sofort an eine schwere Krankheit und erst beim Nachschauen in Ihrem abgegriffenen Fremdwörterlexikon merkt sie, daß sie deinen geistigen Ausführungen wieder einmal nicht folgen konnte. Damit kann sie aber leben.
Womit du aber nicht leben kannst ist die Tatsache, daß sie dich nach dem Sex immer noch mit ihrem emotionalen Gefasel vollquatscht, obwohl du dir schon längst überlegst, ob du deinen Wagen vorne nicht doch noch einen Zentimeter tiefer legen solltest. Es drängt sich dir die Frage auf, wieso eigentlich alle Männer der vergangenen Jahrtausende ihre Frauen dumm sterben ließen. Es gibt alle möglichen Überlieferungen, von der Steinzeit ab bis zum heutigen Tag, seien es Philosophien, asiatische Kampfkünste oder Backrezepte aus der Zeit der Wikinger.
Warum zum Teufel wurde den Mädels von heute nicht von Ihren Müttern überliefert, daß sie nach dem Ficken am besten das Maul halten oder noch besser, sich in einen Kasten Bier oder Ähnliches verwandeln sollen ? Liegt es daran, daß die Mütter es selbst nicht wußten, weil ein Haufen schwachsinniger Ehemänner jahrhundertelang nach Ihrer Ejak ulation über Ihre Gefühle diskutiert haben, obwohl sie tausendmal lieber übers Land geritten wären, um ein paar dummen Bauern im Vorbeiritt die Köpfe abzuschlagen, eine Hexe zu verbrennen oder die Sportschau zu glotzen.
Du wirst dieses Phänomen im Auge behalten.
Klar ist auf jeden Fall, daß auch Männer Gefühle haben. Auch Sie unterliegen gewissen Stimmungsschwankungen. Es gibt eine ganze Menge von Beispielen, welche diese Aussage untermauern und die jeder Mann nachvollziehen kann, weil er es genauso oder aber zumindest so ähnlich schon erlebt hat.
Vielleicht bist auch du schon einmal an einem grauen Novembermorgen zu einer längeren Fahrt aufgebrochen. Es wurde gerade langsam hell, dicker Nebel liegt über der Autobahn und zwingt dich zum langsam fahren. Das macht dir aber nichts aus, denn du bist immer noch müde und hast sowieso keine Lust zum rasen. Du bist nun schon fast zwei Stunden unterwegs in dieser grauen Suppe und du hast viel Zeit zum Nachdenken.
Dir fällt das letzte Weihnachtsfest ein, wie sehr sich die Kleine über ihr Weihnachtsgeschenk gefreut hat. Du bist zwar nicht Ihr leiblicher Vater, aber sie ist dir trotzdem sehr ans Herz gewachsen und du versuchst immer, das Fest sehr harmonisch zu gestalten. Draußen war es kalt und es schneite unaufhörlich. Der strahlende Weihnachtsbaum und die wohlige Wärme des Kamins gaben dir eine unaufdringliche Geborgenheit.
Jetzt fängt es auch noch an zu regnen und du mußt höllisch aufpassen, daß du nicht von der Straße schlitterst. Das würde dir jetzt gerade noch fehlen. 5 Wochen Krankenhausaufenthalt oder so etwas wegen eines kleinen Fahrfehlers. In diesem Moment gibt dir der Gedanke an deine Lebensgefährtin eine unglaubliche Sicherheit. Sie würde zu dir stehen in deiner schwersten Stunde und nichts könnte sie davon abbringen. Wie beruhigend, eine solche Perle an seiner Seite zu haben.
Es ist nun schon fast elf Uhr und du bist schon mehr als zweieinhalb Stunden unterwegs. Der Spessart liegt vor dir und es geht fast unmerklich bergauf. Der Nebel ist immer noch da, aber irgendwie wirkt er jetzt heller und nicht mehr so bedrohlich. Mit jedem Meter, den du nach oben fährst, wird der Nebel weniger, bis du unvermittelt in die strahlende Sonne und einen knallblauen Himmel blickst.
Du mußt an die letzte Neujahrsfete denken. Die Gastgeberin hatte blonde lange Haare, eine deftige Oberweite und einen Schmollmund, bei dem sich der liebe Gott was gedacht haben mußte. Sie war ziemlich alkoholisiert und hat dir eindeutige Angebote gemacht. Dein einziger Gedanke war jetzt, wie du dein Ding schnellstmöglich in diesen geilen Schlund stecken könntest. Doch da hat sie dich schon an der Hand genommen und in die Ankleide gezerrt. Du warst dir sicher , daß dies ein unvergessliches Prosit! Neujahr werden würde.
Und du solltest recht behalten. Du hast keinen Gedanken an deine Partnerin verschwendet, die sich ebenfalls auf dem Fest befand. Du wolltest dich sowieso schon lange von ihr trennen und Kinder konntest du eh’ nie richtig leiden. Du hörst gerade noch, wie der Reißverschluss deiner Hose nach unten saust und sich das pralle Leben deiner Mannespracht den Weg an den Quell der Freude bahnt. Bis zu diesem Augenblick war dies das perfekte Neujahrsfest…
HENRY JEANNOIRE - LUSTIGE UND EROTISCHE KURZGESCHICHTEN
Henry Jeannoire verfügt über einen ausgeprägten Sinn für Humor. Er schreibt, wie er ist, nämlich witzig und unterhaltsam.
Auszug aus der Kurzgeschichte „Willkommen im Leben “:
Natürlich fragen sie sich an dieser Stelle, warum er ihnen das nicht vorher gesagt hat.
Da fällt ihnen brühwarm ein, daß sie sich vor ewigen Zeiten ein einziges Mal von seiner deutlich alkoholisierten Freundin haben die Zunge in den Hals stecken lassen. Sie hatten sich damals auf dieser Fete auf den Weg
gemacht, endlich die ersehnte 3 Promille Grenze zu knacken und dann kam sie mit ihrer Zunge. Zugegeben, ihre Zunge war eine Sensation. Sie konnte ihnen die Mandeln ablecken und sie dabei um 180° der Längsachse nach drehen.
Das sorgte nicht nur für Spannungen mit ihrem Freund, sondern in erster Linie auch in ihrer Hose, was man deutlich sehen konnte.
Sollte er wirklich so nachtragend sein?
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