HENRY JEANNOIRE - EROTISCHE GESCHICHTEN UND EIN WENIG MEHR...
Modellbauer, die Flugzeugmodelle basteln und sie anschliessend ferngesteuert fliegen lassen möchten, erleben so manche Überraschung.
Die witzige Kurzgeschichte:
„Modellsport “
HENRY JEANNOIRE - DIE WITZIGE KURZGESCHICHTE
Es war an einem Mittwochnachmittag, als ich mit meinem Wagen auf das Vereinsgelände zusteuerte. Es besteht im Grunde aus drei Bereichen. Der Wichtigste ist natürlich das eigentliche Flugfeld, dann das kleine Vereinshäuschen mit Vorplatz und dahinter der Parkplatz, der leicht nach hinten abfällt. Bis auf die geschotterte Zufahrt zum Parkplatz ist alles pingelig gepflegter Rasen, auch auf dem Parkplatz selbst.
Da sich Mittwoch nachmittags nur die Senioren zum gemütlichen Elektrofliegen treffen, habe ich meinen sonst eher forschen Fahrstil dem gediegenen Publikum angepaßt um niemanden zu erschrecken, denn die meisten von ihnen sind schon weit über 60 und bekanntlich wird in diesem Alter ja alles etwas langsamer angegangen.
Ich rolle also praktisch auf den Rasen des etwas abschüssigen Parkplatzes und freue mich schon wahnsinnig darauf, endlich eine Runde mit meiner gnadenlos übermotorisierten F 16 fliegen zu können. Nach tagelangem Regen war dies der erste schöne Tag im April. Meine Kameraden Hannes und unser ehrenamtlicher Rasenpfleger waren die Einzigen an diesem Nachmittag und als ich meinen Fuß auf den Rasen setzte, wußte ich sofort, wieso die beiden auf dem Schotterweg geparkt hatten.
Der tagelange Regen ließ den Rasen zwar satt grün aussehen, aufgrund des schiefen Geländes aber sammelte sich alles Wasser auf dem Parkplatz. Mit schweren, schmatzenden Schritten bewegte ich mich zum Kofferraum meines Wagens und bemerkte aus dem Augenwinkel das blaßgelb gewordene Gesicht unseres pingeligen Rasenwächters, der wie versteinert auf der Bank vor dem kleinen Vereinshäuschen saß, sichtlich um Kontenance bemüht.
Als ich die beiden tiefen braunen Gräben bemerkte, die meine Reifen hinterlassen hatten, war ich wirklich heilfroh, daß er nicht auf der Stelle tot umgefallen war, denn ich hatte in kürzester Zeit seine kleine Idylle in einen Truppenübungsplatz verwandelt.
Ich machte dann, nachdem ich die beiden höflich gegrüßt hatte, genüßlich und in freudiger Erwartung meinen neuen Flieger startklar und bat meinen Kameraden Hannes, das Modell doch freundlicherweise zu werfen, denn bei der F 16 handelt es sich bekanntlich um einen Jet, der mit ziemlich Schmackes geworfen werden muß, damit er vom Boden wegkommt. Hannes hatte jetzt zwar nicht unbedingt Sprinterqualitäten, denn mit 68 Jahren, einigem Übergewicht und Arthritis in den Knien hat er dazu einfach nicht die richtigen Voraussetzungen, aber er kann auf eine mehr als 50jährige Erfahrung als Modellflieger zurückgreifen und wußte daher, was zu tun war.
Entschlossen setzte Hannes, den Flieger hoch in der rechten Hand haltend, den rechten Fuß zum Start nach vorne. Der Motor heulte zu diesem Zeitpunkt mit ca. 30.000 Umdrehungen pro Minute und einer erheblichen Geräuschkulisse auf. Als Hannes sein linkes Bein ebenso energisch nachziehen wollte, wurde dieses jedoch bereits in der Aufwärtsbewegung das Opfer eines plötzlichen Arthroseanfalls. Hannes taumelte, sichtlich bemüht, sein Gleichgewicht wieder zu finden, nach vorne und ließ bei dieser Gelegenheit meinen High-Tech Jet lässig aus der Hand gleiten. Selbst ein Marienkäfer hätte bei dieser Anfangsgeschwindigkeit Startprobleme gehabt, ganz zu schweigen von einer F 16.
Diese ging sofort auf Ölsuche und bohrte sich problemlos ins nasse Gras. Natürlich war das Teil total vermatscht und der Impeller hatte das Ganze gleichmäßig im Ansaugtrakt verteilt. Ans Fliegen war somit nicht mehr zu denken.
Also packte ich, nachdem ich den gröbsten Schmutz an meinem Modell entfernt hatte, in umgekehrter Reihenfolge, in der ich ausgeladen hatte, wieder ein. Der Frust saß tief und meine Kameraden fanden zu diesem Zeitpunkt nicht die richtigen Worte, um mich zu trösten. Sie saßen auf ihrer Bank und machten einen gespannten Eindruck, den ich zunächst nicht richtig zu deuten wußte. Ich verabschiedete mich von ihnen und erhielt zu guter Letzt noch den Hinweis, daß es vermutlich beim Rausfahren rutschig sein könnte.
Da ich aber noch Winterreifen aufgezogen hatte, machte ich mir wenig Sorgen.
Zu Unrecht, wie sich schnell herausstellen sollte. Das Rückwärtsstoßen lief völlig problemlos, da es etwas bergab ging, aber vorwärts ging nichts. Der Heckantrieb war völlig überfordert und die grobstolligen Winterreifen waren
lediglich dazu geeignet, große Rasenstücke nach hinten wegzuschleudern. Es war aussichtslos.
Hannes und Günther waren nun auf mich zugekommen und boten mir freundlicherweise ihre Hilfe an, indem sie mich anschieben wollten. Ich nahm dankbar an und gab sogleich im zweiten Gang ganz vorsichtig Gas, damit die Räder besser greifen und nicht allzu
viel Dreck nach hinten rausfliegen konnte, denn mittlerweile war kaum noch zu erkennen, daß sich hier einmal ein gepflegter Rasen befand.
Ich sah sorgenvoll in den Rückspiegel und nahm zwei angestrengt dreinblickende, hochrote Köpfe darin wahr. In diesem Moment überfiel mich ein Anflug von schlechtem Gewissen, denn ich war gut und gerne 25 Jahre jünger als die beiden und saß
gemütlich auf meinen ledernen Sportsitzen, während meine treuen Kameraden hinter mir um ihr Leben zu schieben schienen.
Beim wiederholten Blick in den Spiegel war der rote Kopf von Hannes plötzlich nicht mehr da und ich konnte mir nicht erklären, wie er denn so schnell und unbemerkt verschwinden konnte. Erst als ich einen Moment später im rechten Augenwinkel eine Hand
durch das rechte offene Fenster nach dem Türholmen greifen sah, wußte ich, daß Hannes lediglich eine andere Schiebetechnik anwenden wollte.
Diese war auch sehr erfolgreich, denn nun erreichte ich den geschotterten Teil der Zufahrt und die Räder hatten wieder festen Boden unter den Gummis. Natürlich fuhr ich nur ein paar Meter, bis ich auf sicherem Terrain war und hielt dann sofort wieder an,
um mich bei meinen Helfern zu bedanken. Vor dem Aussteigen streifte mein Blick den Türrahmen, den Hannes zum Schieben benutzt hatte und bei nochmaligem, genaueren hinsehen, erkannte ich vier matschig braune Fingerabdrücke auf der hellen Innenverkleidung
des Rahmens. Mein nächster Gedanke war die Sorge darum, wie ich das wohl wieder weg bekäme. In Anbetracht der Tatsache jedoch, daß ich ohne die Hilfe der beiden wahrscheinlich einen Abschleppwagen des ADAC hätte bemühen müssen,
erschien mir der Preis, den ich für diese Rettungsaktion bezahlen mußte, eher gering.
Ich stieg also aus und ging auf die beiden zu. Ich konnte mich vage daran erinnern, daß Hannes bei unserer Begrüßung ein helles Polohemd trug und eine Bluejeans, an der mir auffiel, wie akurat sie gebügelt war. So, wie er nun aussah, wurde
mir schlagartig bewußt, daß sich in der kurzen Zeit, in welcher Hannes sich blitzschnell dem Blickfeld meines Rückspiegels entzog und dem Moment, in dem er den Türrahmen ergriff,
von mir unbemerkt ein menschliches Drama von erheblichem Ausmaß abgespielt hatte.
Hannes verschwand nicht so plötzlich hinter meinem Wagen, weil er es so wollte, sondern weil ihm beim ersten Ansatz zum Schieben sofort die Füße nach hinten wegglitten. Da dies für ihn eher unerwartet und vor allen Dingen wahnsinnig schnell kam, funktionierten in diesem Moment keine der gewöhnlichen Schutzmechanismen, die einen Menschen durch Reflexreaktionen vor größerem Schaden bewahren. Schließlich hatte sich sein Körper mindestens dreissig Jahre lang nicht mehr so schnell bewegt und so war es keineswegs verwunderlich, daß er mit dem Gesicht nach unten im Matsch landete. Sein Freund Günther jedoch schob mitleidslos mit vollem Einsatz weiter und bekam nicht mit, wie Hannes, ähnlich einem Ertrinkenden, der das rettende Ufer vor Augen hat, aber von einer Strömung immer wieder weggerissen wird, versuchte, wieder aufzustehen. Jedesmal, wenn er sich vom Boden abstützen wollte, glitten ihm die Hände nach außen weg u nd er landete sofort wieder bäuchlings im Dreck.
In diesem jämmerlichen Zustand sah ich ihn nun vor mir und ich mußte daran denken, daß ich mir lediglich Sorgen um das Interieur meines Wagens gemacht hatte, nicht aber um ein menschliches Wesen, welches obendrein freiwillig seinen
heiligen Mittwochnachmittag und einiges mehr ruiniert hatte, nur um mir zu helfen. Mein Dank war ihm gewiß und selbstverständlich hätte ich ihm zumindest die Reinigung seiner Klamotten ersetzt. Er aber war der Meinung, das würde
beim Waschen wieder rausgehen und sei nicht weiter dramatisch.
Der Nachmittag war nach einem gemeinsamen Bier doch noch harmonisch verlaufen. Wenn man jedoch bedenkt, welchen Aufwand man betreiben muß, um seinen Flieger drei Meter weit über das Gras eiern zu sehen, sollte man sich nicht wünschen,
daß er vielleicht einmal dreissig oder gar dreihundert Meter weit fliegt.
HENRY JEANNOIRE - LUSTIGE UND EROTISCHE KURZGESCHICHTEN
Henry Jeannoire verfügt über einen ausgeprägten Sinn für Humor. Er schreibt, wie er ist, nämlich witzig und unterhaltsam.
Auszug aus der Kurzgeschichte „Jungfrau - Aszendent Arschloch“:
Warum zum Teufel wurde den Mädels von heute nicht von Ihren Müttern überliefert, daß sie nach dem Ficken am besten das Maul halten oder noch besser,
sich in einen Kasten Bier oder Ähnliches verwandeln sollen ?
Liegt es daran, daß die Mütter es selbst nicht wussten, weil ein Haufen schwachsinniger Ehemänner jahrhundertelang
nach Ihrer Ejakulation über Ihre Gefühle diskutiert haben, obwohl sie tausendmal lieber übers Land geritten wären, um ein paar dummen Bauern im Vorbeiritt die Köpfe
abzuschlagen, eine Hexe zu verbrennen oder die Sportschau zu glotzen.
Du wirst dieses Phänomen im Auge behalten.
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